Normalerweise schreibt ja der Dritte (egal in welcher Disziplin) den Bericht. Wolfgang hatte aber dieses Mal darum gebeten, dass jemand anderes schreibt, weil er, wie er selbst findet, nicht so schön schreiben kann und so, viel von der Stimmung verloren gehen würde. Ich habe dieses Mal die Ladies-Trophy gewonnen. Somit bin ich die Dritte, deren Name auf diesem Pokal stehen wird und dachte mir, ein Bericht aus einer anderen Perspektive ist ja vielleicht auch mal schön. Heute gibt es also den Blick aus dem Mittelfeld …
Schon im Vorfeld war klar: Wind und Sonne würden uns an diesem Wochenende auf die eine oder andere Art beschäftigen. Deshalb liefen die Vorbereitungen entsprechend flexibel. Natürlich hofften wir auf segelbare Bedingungen, hielten gleichzeitig aber auch Alternativen bereit. Das Essen, bei uns ja fast wichtiger als das Segeln, stand nach diversen Probekochen fest, Beilagen wurden organisiert, Küchen- und Bootsteams gebildet, Einsatzpläne geschrieben und die Deko für den letzten Schliff vorbereitet.
Freitag reisten nach und nach alle Crews an. Unser Haus-Grieche, eigentlich ein Muss, hatte kurzfristig Urlaub. Fast eine kleine Katastrophe, aber ein befreundetes Restaurant rettete uns und lieferte ein reichhaltiges griechisches Buffet inklusive Ouzo für das ganze Wochenende. Wenn wir nicht zum Griechen kommen, muss der Grieche eben zu uns kommen.
Beim gemeinsamen Essen wurden Neuigkeiten ausgetauscht und die Wetter-Apps vermutlich häufiger aktualisiert als die WhatsApp-Nachrichten.
Der Samstag begann mit einem entspannten, gemeinsamen Frühstück. Ben als Held der Rühreier erklärte sich bereit, uns mit seinen Künsten zu verzücken.
Danach begann das eigentliche Programm des Tages: Warten auf Wind. Abkühlung suchen: Im See, im Schatten, im Schuppen. Zwischendurch wurden die Reste vom Vorabend vernichtet. Es bildeten sich Gesprächskreise im Wasser, die stellenweise schon therapeutischen Charakter hatten. Später gab es Kaffee und Kuchen, danach hieß es weiter warten, im bewährten Wechsel von Schatten und Wasser.
Die Hitze und der fehlende Wind machten allerdings auch jedes Alternativprogramm unmöglich, denn jede ernsthafte Bewegung hätte vermutlich im Kollaps geendet.
Den perfekten Tagesabschluss lieferte zum Einen das Ofenmobil, in dem Matthe ein leckeres Abendessen zauberte und zum anderen wurden wir mit einem schönen und sehr langen Sonnenuntergang belohnt. Die Therapie- äh Gesprächsrunden wurden noch bis in die Nacht weitergeführt, denn zum Schlafen war es eigentlich viel zu warm.
Der Sonntag begrüßte uns immerhin mit einer leichten Brise. Nach dem Frühstück herrschte rege Betriebsamkeit, denn überall wurde aufgetakelt. Es war klar, gesegelt wird, ob Wettfahrt oder nicht. Die Wettfahrtleitung beobachtete die Lage auf dem Wasser aufmerksam und diskutierte heiß. Und schließlich fiel die Entscheidung: Es gibt eine Wettfahrt, allerdings ohne Ranglistenwertung.
Nix wie raus auf den See! Ein bisschen Einsegeln und es gab sogar ein paar Spritzer Gischt, welche eine Freude! Zum Start drehte der Wind dann so, dass wir mit Raumwind starten mussten – für mich eine ganz neue Erfahrung, die mich auch etwas verwirrte, andere wohl auch, denn es wurde in einem hübsch zähen Pulk gestartet. Kurz vor der ersten Tonne gab es den Wind dann nur in homöopathischen Dosen, dazu ständig drehend und schwer einzuschätzen für wen die Bö denn nun gedacht war. Ich bekam meine erst recht spät …
Endlich die Tonne gerundet stand ich vor der Entscheidung welche Seite der Insel wohl die günstigere ist. Viele vor mir entschieden sich für die längere Seite mit vermeintlich mehr Wind. Da sie ohnehin schon deutlich voraus waren, nahm ich die etwas kürzere Route. Mit etwas Glück und ein paar passenden Winddrehern funktionierte das tatsächlich. Plötzlich war ich wieder mitten im Feld. Jetzt wurde es spannend, wo ich mich platzieren konnte. Der Wind kam jetzt mit einer konstanten Stärke und auf dem Boot gab es richtig zu tun. Ben und Peter musste ich ziehen lassen. Dafür arbeitete ich mich langsam an Bernd heran und konnte ihn und Matthias an der zweiten Tonne hinter mir lassen. Es folgte die lange Vorwindstrecke direkt Richtung Ziel. Die Boote vor mir fest im Blick lief es erstaunlich gut. Bis mir ungefähr drei Viertel der Strecke einfiel, dass Bernd ja ein Vorwindflieger ist. Ein vorsichtiger Blick nach hinten zeigte tatsächlich: Er war wieder näher gekommen. Zum Glück reichte der Vorsprung aber gut bis ins Ziel.
Nach dem Zieleinlauf glitschten wir noch eine Weile über den See, bevor wir wieder an Land gingen. Kurz darauf verabschiedete sich auch der Wind endgültig. Wohin, weiß vermutlich nur er selbst und die Hitze übernahm wieder das Ruder.
Umso schöner war es, dass wir eine richtige Siegerehrung durchführen konnten und die Preise nicht verlost werden mussten. Guido gewann das Vater-Sohn-Race, sodass der Pokal erneut nach Waren zur Familie Ecks ging. Herzlichen Glückwunsch! Der Held des Mittelfelds ging an Matthe und die Ladies-Trophy an mich, so dass diesmal gleich zwei Pokale in Templin bleiben dürfen.
Besonders gefreut hat mich noch ein weiterer Pokal. Klaus stiftete kurzerhand einen antiken Pokal als Jüngsten-Pokal, den sich seine Enkelin Ella als jüngste Seglerin dieser Regatta mit gerade einmal 14 Jahren ersegelte. Sie ist erst ein paar Mal Seggerling gesegelt und hat sich gleich eine Regatta zugetraut. Toll und weiter so! Überhaupt war die Jugend, neben Ella, mit Konstantin, Enno und Leonhard in diesem Jahr schön vertreten und es sah ganz danach aus, als hätten sie Spaß gehabt. Ich finde, das spricht wieder einmal für das Potenzial und die Herzlichkeit unserer Klasse, denn untereinander werden immer Tipps und Wissen weiter gegeben.
Zum Schluss gab es noch ein paar Reste aufzuessen. Auch diese Aufgabe wurde mit Bravour gemeistert und unsere Gäste durften sich wieder auf den Heimweg machen ...
Es war ein Wochenende mit wenig Wind, viel Sonne und noch mehr guter Stimmung. Oder, um mit Peters Worten zu schließen:
„Stell dir vor, wir müssten hier sitzen und warten und würden uns nicht so gut verstehen.“
Gredl GER 440 (Fotos: Frank Bauer)
